Vor einem knappen Monat habe ich dieses Weblog gestartet um auszuprobieren ob ich bis Herbst mit allen meinen Daten und Programmen "in die Wolke" übersiedeln kann.
Fazit zur Halbzeit:
- Ich könnte vielleicht, aber
- Ich werde nicht, weil (TA-DA!)
- Ich will nicht.
Was heisst "Ich will nicht"?
Zuerstmal: in diesem Posting fällt das Wort "Sicherheitsbedenken" genau zweimal. Nämlich im vorherigen Satz und im nächsten. Sicherheitsbedenken waren es nicht, die mich zweifelnd gemacht haben. Aber die Frage nach dem Sinn, die war es.
Vor einem Monat ist mir beim Neuaufsetzen meines Laptops aufgefallen, dass einige meiner Bedürfnisse an Software in die Wolke übersiedelt sind. Schleichend und beinahe unbemerkt aber durchaus nachhaltig. Und das ist genau der Punkt: ohne Bedürfnis kein Übersiedeln! Jedenfalls keines, bei dem es auch bleibt. Mein Plan widerspricht dem, was mir selbst passiert ist und wofür ich eigentlich auch als Beraterin stehe:
Möglich ist vieles, nützlich aber nur manches
Das Aha-Erlebnis kam graduell. Zuerst war mir aufgefallen, dass ich meine traditionellen Personal Cloud Application weiter benutze, aber seit ich das Weblog gestartet habe um keine einzige mehr. Getestet habe ich einige, interessiert haben mich viele. Aber als wirklich nützlich haben sich diese (noch?) nicht herausgestellt.
Die für mich im Moment wirklich Nützlichen nutze ich scheinbar schon.
Aber ursprünglich wollte ich nur über "Neue" bloggen: über die, die ich dann auch zusätzlich nutze. Waren aber keine da. Also schwenkte ich von mir selbst unbemerkt um und wollte die vorstellen, die ich bereits nutze. Das ging aber auch nicht rasend gut voran ("ist doch fad" sagte ich zu mir selbst). Nope, das alleine ist es auch nicht
Facebook, Twitter, GoogleApps: Des einen Freud, des anderen Zeitversch(l)eiss
Dann hatte ich letzte Woche zweimal die Gelegenheit als Digital Coach "Facebook" und "Twitter" vorzustellen. Die erste Frage, die mich nachdenklich machte: "Wie geht sich das zeitlich bei dir eigentlich alles aus?" Die Phantasie hinter der Frage (quasi: "social oldschool" aber ich finde sehr legitim): Wenn man sich zu etwas verpflichtet (Freunde auf Facebook, Followings auf Twitter), dann muss man sich auch mit allem beschäftigen, was die so produzieren. Ähnlich wie bei e-Mail oder Briefpost von Freunden.
Unmöglich! Für alle mit 50+ Freunden und/oder Followings UND einem Job gar nicht mehr machbar! So gesehen würden wir wohl alle binnen 14 Tagen entweder kein Geld mehr auf's Konto bekommen oder nach dem Muster der eMail bankruptcy sozusagen immer mal wieder in immer rascheren Abständen "Social Media Bankrott" erklären müssen.
Die Idee Kommunikations-Services zu nutzen in denen Papa Procrastination, Mama Interesse, Oma Zufall und Opa Langeweile entscheiden WAS ich mitbekomme und was NICHT ist scheinbar immer noch kein intuitiv eingängiges Konzept (trotz 70+ Jahre Fernseherfahrung *grins* ).
"Wozu brauche ich das dann überhaupt?" war die nächste Frage. "Also, eigentlich zu gar nichts" meine ehrliche Antwort.
Niemand "braucht" Facebook oder Twitter, aber manche finden es nützlich.
Das stimmt so natürlich nicht. Völlig verkürzt! Trotz Schmäh-Websites wie How to use Twitter for Marketing and PR stimmt es nicht. Und natürlich habe ich dann dann doch gute Gründe gefunden warum man Facebook oder Twitter ganz nett nutzen könnte. Aber eben nur "könnte" nicht "muss".
Ich glaube fest daran, dass jedes Online-Service, jede Software ein Bedürfnis abdecken sollte, das irgendwie bereits existiert: Meine beiden Kundinnen hatten kein dringendes Bedürfnis nach "mehr Kommunikation" oder auch nach "mehr Öffentlichkeitsarbeit". Ja, das gibt's auch.
"Bedürfnisse schaffen" mag ein Spezialität von Snake-Oil-Verkäufern auf der ganzen Welt sein und durchaus legitimerweise für Konsumgüter gelten und damit natürlich auch für iPhone-Apps. Allerdings meiner Erfahrung nach nicht (nachhaltigerweise) für Software und Services, die ich beabsichtige mehr als eine Saison zu nutzen.
Ein Beispiel: "Spore" für Mac und iPhone? Been there, played that. Wieder gelöscht. "Things" für Mac iPhone? Mein Lieblings-ToDo-Manager wenn auch schwach auf der Cloud/Sync-Seite. Ich kam, kaufte und nutze noch immer.
Wessen Wert ich seh, dessen App ich nütz!
Für Menschen und Social Software bedeutet das meiner Meinung nach:
- Wer mit seinen herkömmlichen Kommunikationskanälen heillos überfordert ist und in der Freizeit am liebsten alleine fischen geht wird wahrscheinlich kein Power-Twitterer
- Für wen "Freizeit mit Freunden" bedeutet sich jeden Abend mit den gleichen Freunden im selben Wirtshaus zu treffen, der wird wahrscheinlich keine 300 Freunde auf Facebook sammeln.
- Wer seinen Computer daheim alle drei Tage mal aufdreht, ab und zu einen Brief in Word schreibt, sein Haushaltsbudget zur vollsten Zufriedenheit in Excel erledigt oder ein Buch bei Amazon bestellt, den treibt es vermutlich nicht auf Zoho oder GoogleApps
Der potentielle "Nutzen" überwiegt in diesen Fällen einfach nicht die persönlichen "Kosten" an mehr verbrachter Zeit am Computer, mit allen dabei entstehenden Problemen. Yes, folks! Für meine Kunden ist der Computer oftmals Troublesolver and Troublemaker zugleich und das nicht notwendigerweise Fifty-Fifty.
Nun ist "nützlich" aber klarerweise eine sehr persönliche Kategorie, und so werde ich diese Definition über Bord werden und mein Thema öffnen.
Die Zukunft dieses Weblogs
Werkzeugweb wird mich weiterhin begleiten. Ich werde alte und neue Personal Cloud Application vorstellen. Ich werde den Markt an solcher Software scannen und neue Tools vorstellen.
Ich werde weiterhin versuche meinen eigenen Fuhrpark an Cloud Software zu erweitern, aber eben "nur wenn es passt".
Und wenn ich dazu komme werde ich irgendwann auch "Über Werkzeugweb" updaten. Bis dahin bleibt es ein nostalgischer Reminder an meine gutgemeinte Naivität als Personal Cloud Computing Crash Test Dummy.