Review: Amazon Kindle International - Come on baby light my fire? Nicht so ganz....

Jan 17 2010

Am Kindle Bücher lesen, dass ist so wie auf einer 90er Jahre Spielkonsole Adventure-Games spielen: Das Potential ist da, aber der WoW-Effekt fehlt noch. Der Kindle 'entzündet' mich nicht wirklich, aber das was ePaper und elektronische Buchdistribution für die Zukunft verheißen, dass find ich schon ziemlich spannend.

 

 Elektronische Bücher - (m)ein alter Traum

Foto: Wie war das nochmal mit der versprochenen Hardware-Konvergenz? Hmmm... Im Moment werden's mehr Geräte und nicht weniger.

Elektronische Texte habe mich schon immer fasziniert: die einfache unproblematische Verfügbarkeit von am anderen Ende der Welt Geschriebenem.

Als ich in den 90er Jahren angefangt habe Anglistik zu studieren, hab ich in den Weihnachtsferien aus der Papierbroschüre "English Literary Canon" eine Web-Applikation mit Links zu online verfügbaren Volltexten gemacht. Das hat dann damals leider echt noch keinen interessiert, nicht mal die Studienvertretung hat drauf verlinkt. Obwohl mehr als 50% der zu lesenden Texte bereits online verfügbar waren. Vielleicht hatten sie Angst vor Copyright-Poblemen?

Ich träumte jedenfalls davon alle Texte, die ich jemals für mein Englisch-Studium brauchen würde (und in meinem Bücherregal sind das heute mehrere Laufmeter) mit mir herumzutragen und wie auf meinen iPod je nach Lust und Laune einen auswählen und lesen zu können. Ein paar Jahre später kam dann Adobe mit der ersten Version seines proprietären eBook-Readers (heute "Digital Editions"), ich habe ihn installiert und damals vielleicht ein halbes Dutzend Bücher gekauft aber das lesen auf einem Computerbildschirm war (und ist) mir zu anstrengend.

Inzwischen sind die eBücher von damals im digitalen Nirvana, irgendeinen Hardwarewechsel hat das DRM-System von damals nicht überlebt.

Mein nächster Schritt in die Welt der Bücher aus Nullen und Einsen war ein Safaribooks Abo.Tausende Technologie- und IT-Bücher - die meisten davon würd' ich auch wenn ich sie kaufe nicht von vorne bis hinten lesen - plötzlich standen sie mir alle zur Verfügung. Im Volltext durchsuchbar und lesbar für eine monatliche Abogebühr. Die Grenzen meines Laptop-Bildschirms - und meiner Sehkraft - wurden mir aber bewusst als ich per Safaribooks im Sommer 2008 für die Prüfung zum Apple Certified Support Professional gelernt habe. Knapp 700 Seiten Fachbuch online gelesen in zwei Wochen: Auweh! Augen und Genick sagten: einmal und nie wieder!

Foto: Classics für iPhone meine wirkliche Einstiegsdroge für's Lesen ohne Papier

Aber das nächste Lesegerät stand schon vor der Türe: Eine kleine iPhone Applikation mit dem Namen "Classics". Eine Bibliothek englischsprachiger Klassiker von Dracula über Jungle Book bis zu Paradise Lost. Trotz einer cheesigen Umblätter-Funktion und fix eingestellter Schriftgröße auf pseudo-pergamentfarbenem Hintergrund konnte ich kopfwehfrei und relativ bequem damit lesen. Wohl auch, weil das iPhone mit 160 ppi einem herkömmlichen Computerbildschirm überlegen ist. Auch ein Grund warum ich (noch) noch so recht an Apples iSlate glauben will: ein LCD-Lese-Tablett mit der Auflösung und der Bildwiederholrate eines herkömmlichen Bildschirms? Ich glaub nicht, dass meine Augen das als gutheissen würden. Die Alternative? ePaper.

 

 

Erster Eindruck: Der Kindle, das ist ein wirklich häßliches Stück ePaper-Technologie

Als der Kindle letztes Jahr in einer Internationalen Version herauskam hatte ich schwere Vorbehalte:

  • würde uns Europäern ähnlich wie im iTunes Shop nur ein Bruchteil der elektronischen Bücher zur Verfügung stehen? Und die auch noch - gasp! - hauptsächlich auf deutsch?
  • und warum musste das Ding so hässlich sein, mit so wenig Bildschirm, 80er Jahre Computer-off-white und soviel Rand und diesen scheusslichen Tasten, die meinen Apple-Design gewöhnten Augen belästigten?
  • und warum noch immer dieses DRM-Zeugs? Könnte die Verlagsindustrie nicht inzwischen ein bisschen war von der Musikindustrie gelernt haben? Ich hatte einmal schon meine Adobe DRM gesicherten Bücher verloren. Wäre wahrscheinlich besser zu warten bis wer den Schutz knackt oder Amazon - wie iTunes - das Material auch frei anbietet.

Das mir den deutschen Büchern war zum Glück eine unbegründete Befürchtung. Es gab vorerst sogar NUR englischsprachige Bücher, zwar nicht alle aber ziemlich viele und erst heute kam die Meldung über Heise, dass ab sofort auch deutsche und französische Verleger ihre Bücher per Kindle-Shop vertreiben dürfen. Aber Punkt zwei und drei waren Grund genug um mir vorerst mal keinen Kindle zu kaufen.

 

Kindle for iPhone als Einstiegsdroge für den echten Kindle

Fotos: Kindle for iPhone

Kurz vor Weihnachten kam dann die iPhone Kindle Applikation, "Classics"-geübt lud sie mir gleich herunter und begann ein paar Bücher einzukaufen. Meine ersten Testkäufe waren ein Roman - Neuromancer, wollt ich immer schon mal wieder lesen - ein Fachbuch für mein gerade begonnenes Studium - Convergence Culture von Henry Jenkins - und eine Sammlung englischer Gedicht um 3$ (des Preises wegen). Mein erstes Fazit über das iPhone Kindle Programm: es ist eigentlich ein ganz schön praktisches Stück Software zum Lesen von elektronischen Texten.

  • Das Programm erlaubt mir die Schriftgröße einzustellen (in 5 Stufen)
  • Die Bildschirmausrichtung hoch/quer ist händisch arretierbar, was vor allem beim Lesen im Bett wichtig ist.
  • Ich kann Teile des Textes wie mit einem Textmarker markieren und zu beliebigen Textstellen Kommentare schreiben (wichtig für die Arbeit mit Fachbüchern)
  • Weiterblättern ist lautlos entweder mit einem swipe oder durch antippen der rechten Bildschirmmitte
  • Ich kann so viele Lesezeichen setzen und löschen wie ich möchte
  • Meine Bibliothek ist bei Amazon gespeichert, d.h. ich muss nur die Bücher am iPhone haben, die ich gerade lese, die anderen kann ich "löschen", dabei werden sie in das Archiv verschoben, alle Textmarkierungen und Kommentare bleiben dabei allerdings erhalten
  • Das einzig unpraktische, das mir sogleich auffiel: Die Verwaltung der Bücher lässt mehr als zu Wünschen übrig, es gibt eine lange Liste und nur drei Möglichkeiten der Sortierung: nach zuletzt Gelesenem, nach dem Autor (was nicht wirklich funktioniert weil die Autoren zum Teil falsch eingetragen sind) und nach dem Titel. Man kann keine Ordner anlegen und ab 20 Büchern wird's wirklich unübersichtlich.

Ein paar weitere Pro und Contras wusste ich damals noch nicht, weil sie erst im Vergleich oder in Kombination mit dem "echten" Kindle auftraten:

  • Pro: Man kann seinen Lesestoff zwischen allen verwendeten Geräten synchronisieren. D.h. wenn ich ein Buch auf dem iPhone Kindle lese und es später auf dem normalen Kindle weiterlesen möchte (vorausgesetzt dieser hat den Netzwerkzugang eingeschaltet) dann fragt mich das Programm ob ich an der Stelle weiterlesen möchte an der ich auf dem iPhone aufgehört habe.
  • Contra: die markierten Stellen und Kommentare werden zwar mit dem echten Kindle synchronisiert, nicht aber mit dem Clippings File. D.h. auf dem Kindle erstellte Markierungen und Kommentare befinden sich im MyClippings File, auf dem iPhone erstellte aber nicht. Sehr unpraktisch.
  • Auch nicht gut: Die Bücher sind auf den iPhone nicht durchsuchbar.
  • Megafail: Kindle für iPhone unterstütze ausschließlich bei Amazon gekaufte Bücher. Anders als auf dem richtigen Kindle kann man auf dem iPhone weder Zeitungs- noch Zeitschriftenabos lesen und auch keine eigenen Dokumente.

Nach einer Woche Kindle für iPhone war ich dann aber weichgekocht: was ich sah gefiel mir eigentlich recht gut und ich wollte "the real thing": Elektronisches Lesen ohne die Nachteile des hinterleuchteten Bildschirms. Also ging die Bestellung raus.

Binnen fünf Tagen war der Kindle da und auf seiner Vorderseite schien schon eine Art Startanleitung zu kleben. Näher betrachtet war es aber kein durchsichtiger Kleber, es war der ePaper-Bildschirm selbst auf dem die Inbetriebnahme beschrieben war. Staun! Danach ging alles ganze schnell: halbe Stunde aufladen, anschalten die bereits gekauften Bücher aus dem "Archiv" herunterladen (der Kindle wird bereits auf den Amazon Account des Bestellers registriert ausgeliefert, was man allerdings auch ändern kann), neue Bücher kaufen, pdfs und mobi files über USB draufladen, Zeitschriften- und Zeitungs-Abos für zwei Wochen gratis testen. Binnen einer Stunde hatte ich 40 Files auf meinem Kindle. Reader's Paradies.

Mein Kindle - kein guter ePaper-Reader aber der beste für mich hier und heute

Foto: Kindle Bildschirm mit dem iPhone abfotografiert

Warum "kein guter": Ich hab ja keinen Vergleich mit anderen ePaper-Readern aber Design und Usability lassen echt noch zu wünschen übrig. Warum der beste? Wegen dem Amazon-Shop. So wie der iPod ohne den iTunes Shop nur ein gut-designter mp3-Player ist, so wäre der Kindle ohne den Amazon Kindle Shop nur ein mittelmäßiges Stück Technologie. So ist er ein mittelmäßiges Stück Technologie mit einem Shop der 300.000 Bücher fett ist. Und das reicht mir für's erste. Nach zwei Wochen intensivem Kindle-Gebrauch mein erstes Fazit

Die Pros:

  • Convenience, Convenience, Convenience. Warum kaufe ich Musik im iTunes-Store? Weil ich keine Bettelstudentin mehr bin und mir die Zeit zu kostbar ich, die ich brauchen würde um die mp3s online zu suchen. Das gleiche gilt für Bücher. Der Kindle hat einen eingebauten Mobilfunk-Chip und AT&T hat Roaming-Verträge, die mich selbst nichts angehen mir aber - kostenfrei und fast weltweit - das Einkaufen und Downloaden von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen ermöglichen. Das hat dieser ePaper-Reader den anderen (noch) voraus. Zum Gutenberg und Warez suchen hab ich nur dort angefangen wo es ein gewünschtes Buch für den Kindle NICHT gab.
  • Das ePaper Display ist wirklich recht augenschonend. 167ppi mit 16 Graustufen lassen sogar Illustrationen recht gut aussehen (siehe Foto). Das Gerät ist auch ziemlich leicht und handlich. Im Zwielicht ist allerdings nicht gut Kindle lesen, dafür im vollen Lampen- oder Sonnenschein umso besser.
  • Studieren wir nie wieder so sein wie früher! ;) Ich öffne ein Fachbuch, durchsuche es nach Begriffen, markiere beim Lesen eine Passage, die in ein Textfile gespeichert wird, das ich mir nachher auf den Rechner ziehe. Das IST geil! Könnte ich das ganze auch ohne Amazon und DRM haben? Klar. Aber ich finde es nur fair für Bücher zu zahlen, und das mit dem DRM-Schutz ist meiner Meinung nur eine Frage der Zeit. Außerdem ist der Kindle DRM Schutz schon geknackt worden, wer will kann also seine Kindle Bücher schon jetzt auf dem Sony Reader lesen.
  • Ein großer Nachteil des ersten Kindle war, dass er keine pdfs lesen konnte, der Kindle 2 kann es ab Betriebssystem Version 2.3 und tut es auch recht ok, wenn auch ohne die Möglichkeit die Schrift zu vergrößern. Man kann das pdf aber auf "quer" stellen und mit den meisten Büchern geht das super (mein Testobjekt: ein Drupal-Fachbuch von packt publishing sah als pdf sogar besser aus als als umgewandeltes azw, nur die Bilder waren in azw praktischer weil man sie da bildschirmfüllend vergrößern kann)
  • Auch sehr praktisch: Der Kindle hat den New Oxford American Dictionary gratis an Bord. Fährt man mit dem Cursor über den Text zeigt sich am unteren Bildschirmrand der Dictionary-Eintrag des jeweils ausgewählten Wortes. Im amerikanischen Kindle kann man auch weitere Wörterbucher kaufen und als Standardwörterbuch auswählen. Diese Option fehlt aber im internationalen Shop.
  • Außer über den Kindle Shop lassen sich der 1.5GB große Kindle Speicher (reicht für angeblich 1.500 Bücher) auch über ein USB Kabel befüllen, dabei wird der Kindle als normale Festplatte mit den Ordnern Audible, Documents, Music und System angezeigt. In den ersten Ordner kann man bei Audible gekaufte Hörbucher legen, in Documents stehen alle lesbaren Dokumente, über Kindle gekaufte und auch eigene und in den Music-Ordner kann man .mp3-Files stellen und den Kindle als rudimentären mp3-Player nutzen (wahlweise über Lautsprecher und Kopfhörer).
  • Amazon stellt dem Kindle Benutzer zwei E-mail-Adressen zur Verfügung. Sendet man ein File von einer authorisierten E-mail-Adresse an name_aussuchbar@kindle.com wird es über die Funkverbindung an den Kindle gesendet, allerdings zu einer Gebühr von 1$ pro angefangenem MB. Schickt man das gleiche File an name_aussuchbar@free.kindle.com bekommt man einen Link zu einem in das native Kindle-Format (.azw) konvertierten File zurück, dass man dann herunterladen und per USB auf den Kindle geben kann. Schickt man ein pdf an eine der beiden Adressen und schreibt "convert" in den Betreff wird das pdf in azw umgewandelt, was gar nicht mal so schlecht funktioniert. Das einzige gekaufte wirklich scheusslich konvertierte File, dass mir bis jetzt untergekommen ist war eine für den Kindle DX optimierte Version von Khalil Gibran's The Prophet mit Erstzeileneinrückungen von einer viertel Bildschirmbreite und Absätzen nach fast jedem Satz. Aber das scheint die Ausnahme zu sein.

Nun ja trotzdem liegen Licht und Schatten naturgemäß bei so einer "neuen Neuen" Technologie knapp beinander.

Foto: Ärgerlich - der "Back"-Button ist auf einer verführerischen Höhe: ich verwechsel ihn laufend mit "Enter" und ärger mich dann weil es keinen "Forward" Button gibt und ich so nicht mehr zurück komme.

Die Cons:

  • Usability Megafails: Der Kindle hat den eher hantigen Charme eines Stücks 1990er Hardware. Die Tastaturtasten sind rund und winzig, der 5-Wege-Navigator erinnert ästhetisch an den Nokia-Communicator der ersten Generation. Die groben Umblättern-Tasten klicken so laut, dass das Gerät für's im Bett lesen - in einer aufrechter Partnerschaft mit einem Freund ohne Narkolepsie ;) - unbrauchbar ist. Eine alternative Methode zum Umblättern gibt es nicht, ein Workaround, der aber auf Dauer auch nervt, ist das Gerät "vorlesen" zu lassen und die Lautstärke dabei auf Null zu stellen, dann blättert es irgendwann von selber um. Das "irgendwann" lässt sich mir drei verschiedenen Geschwindigkeiten regulieren, aber manche Bücher - vor allem Romane - lassen sich aus rechtlichen Gründen nicht vorlesen.
  • Die "Back"-Taste ist rechts unten neben dem Keyboard ungefähr auf Höhe der "Enter"-Taste einer normalen Tastatur angebracht, während die echte Enter-Taste ein winzig kleiner Tastatur-Knopf ganz recht unten ist. Wenn ich was suche passiert es mit relativ oft, dass ich den Begriff eingebe und dann die Back-Taste drücke, dann ist der Suchbegriff weg und ich bin ärgerlich, weil "Vorwärts" gibt es nicht.
  • DRM typisch kann man auf seinem Account nur eine gewisse Anzahl an Geräten registrieren, die genaue Anzahl der möglichen Geräte ist pro Buch unterschiedlich und variiert zwischen 1 und 6. Diese Zahl wird vom Verleger eingestellt, ist aber nirgends sichtbar.
  • Stürzt der Kindle ab, dann muss man den Power-Knopf 15 (!) Sekunden lang halten, dann loslassen, dann dauert es aber gut weitere 5-10 Sekunden bis er neu startet. Amazon Bücher lassen ihn nicht abstürzen, fremde Dokumente aber schon, und zwar gar nicht so selten.
  • Auf dem internationalen Gerät ist der Webbrowser gesperrt. Interessanterweise mit einer einzigen Ausnahme: Die englische Wikipedia lässt sich online durchsuchen. Als Referenz eine gute Sache, trotzdem macht es den Kindle emotional zum "Offliner" was einem spätestens dann auffällt wenn man versucht einen der zahlreichen Links in einem der abonnierbaren Online-Magazine (Slate, Salon, Popmatters...) anzuklicken. Das funktioniert dann nämlich nicht und der Link lässt sich auch nicht kopieren, da es so etwas wie eine Zwischenablage in der Kindle Software nicht gibt. Wirklich ärgerlich ist dann aber, dass man linkmäßig auch durch die Finger schaut, wenn man den Text des Artikels clippt. Dann scheint zwar der Text aber nicht der Link im MyClipping File auf. Um das ganze noch zu toppen können Zeitungen und Zeitschriften gar nicht auf den beiden onlinefähigen Kindle-Programmen (iPhone und PC) gelesen werden. Linkfail, Grrr. Die Abos habe ich mir also angesehen und dann wieder abbestellt. Einzig das "Time-Magazine" hab ich mir behalten, als gutes altes Papier-Magazin sind da wenigstens keine Links drin. Wenn du schon nicht linkst, du Ding, dann führe mich wenigstens nicht in Versuchung ;)
  • Die Batterie hält bei eingeschalteter Netzwerkverbindung nur zwei Tage, außerdem ist sie fest eingebaut, d.h. wenn sie aufgibt muss man das ganze Gerät an Amazon zurücksenden. Ich schalte die Mobilfunkverbindung inzwischen meistens aus, damit ist die Batterie auch nach vier Tagen noch halb voll.
  • Die Software ist da und dort noch recht buggy, z.B. schmiert das Gerät regelmäßig ab wenn ich ein mit Instapaper erzeugtes .mobi File lesen möchte. Leider hilft das Gratis Konvertier-Service von Amazon hier nicht, es nennt das .mobi file nur auf .azw um, was die Abstürze zwar seltener zu machen scheint (Computermystik) aber nicht ganz verhindert. Ein Workaround auch hier: Instapaper als pdf exportieren, pdf von Amazon gratis konvertieren lassen. Dann klappt's auch - irgendwie - mit dem Blog lesen.

Noch keine Meisterleistung: Kindle for PC

Dieses Programm für den PC ist definitiv nur halb gebacken und keine besondere Freude. Es erinnert ein wenig an den frühen Adobe eReader und es ist auch noch verkrüppelter in seinen Funktionen. Text kann weder markiert noch kopiert werden. Es gibt keine Möglichkeit zu kommentieren oder zu markieren (am Kindle oder iPhone erzeugte Kommentare werden allerdings angezeigt), Abos funktionieren nicht und es stürzt gerne ab. Da lass ich noch die Finger davon. Blöd dass ich es aktiviert habe und es nun zu meiner Gesamtsumme an möglichen Endgeräten zählt. Zurücksetzen kann man die erlaubten Geräte nämlich nicht selbst, da muss der Amazon Kundendienst ran. Klingt auch noch sehr handgestrickt, dieser Teil des Businessmodells.

Zum Schluß

Ich weiss dass ich Bücher im elektronischen Format lesen will und ich weiss dass ich das auch zunehmend tun werde. Nicht immer und nicht überall und auf wechselnden Geräten (und über den Kindle werde ich in ein paar Jahren hoffentlich nur mehr lachen), aber rein prinzipiell ist das meine Lese-Zukunft. Kommt jetzt die papierlose Bibliothek? Ich glaube kaum und ich wüsste auch nicht wieso. Alte und neue Medien müssen nicht, können aber ganz gut nebeneinander existieren. Gerade heute habe ich sieben Fachbücher und zwei Romane von der Post geholt, die ich lesen wollte aber auf dem Kindle nicht bekommen habe.

Mein vermutlich nächster Streich wird ein amerikanischer Kindle Account sein, damit ich auch Blogs lesen und noch mehr Bücher durchstöbern kann. Das hab ich auch schon bei iTunes. Sobald ich das erfolgreich durchgezogen habe, blogge ich es auch.

Ich werde sicherlich auch weiterhin immer wieder Bücher aus Papier kaufen aber ziemlich sicher weniger und eventuell auch gar keine Fachbücher mehr. Aber wahrscheinlicher als die papierlose Bibliothek kommt die papierlose Zeitung, denn eigentlich macht es keinen besonderen Sinn etwas so ephemerales wie eine Tageszeitung auf teures Papier zu drucken. Dann muss ich mir dann aber in Zukunft was neues suchen um mein Katzenkisterl auszulegen. Aber nachdem die Werbebranche es - entgegen aller apokalyptischen Befürchtungen von Hobby-Ludditen - noch immer nicht geschafft hat mich gut genug auszuspionieren um mir personenbezogene Werbung zu senden, bleiben mir ja noch all die unnötigen Postwurfsendungen für Autoteile und Anglereibedarf.