Manchmal ist es faszinierend wenn man draufkommt, dass nix einmalig ist. Die eigenen Erfahrungen nicht und schon gar nicht die Schlüsse, die man daraus zieht.
Alles ist scheinbar schon in der Wolke (excuse the pun), an jenem luftig-esoterischen Ort an dem Carl Jung unser gemeinsames Unbewusstes vermutete. Und jetzt manifestiert sich diese Wolke im Internet.
Hä? Wieso? Warum?
Vor zwei Monaten hab ich beschlossen hier meinen Datenumzug in die Webwolke zu dokumentieren. Das Anlass war der Festplatten-Tod meines Laptops.
Heute recherchiere ich Probleme mit dem neuen Betriebssystemupgrade (Snow Leopard) von Apple und stoße auf eine Datenumzugs-Leidensgenossin. Alas! I am not alone!
"How snow leopard chased me to the cloud" von Michelle Lentz beschreibt einen ähnlichen Exodus wie den meinen. Die Voraussetzungen sind unterschiedlich: HD-R.I.P bei mir, Schneemistkatzerl bei ihr: Die Autorin installiert das Snow Leopard Upgrade, nichts geht mehr, sie probiert es mit einem Clean Install und mit einem Downgrade auf 10.5. und beschließt während des folgenden dreitägigen Herumbastelns endlich ihre Daten in die Wolke zu transferieren. Böses Snow Leopard? Klar, aber das ist eine andere Geschichte. Michelle zieht es in die Wolke, sie hat einen Auslöser dafür gebraucht (so wie ich vor zwei Monaten einen für die Erkenntnis gebraucht habe, dass ich schon halb in der Wolke angekommen war), Snow Leopard mindfucked mit ihrem Laptop und sie zieht um.
Manda (und Weiba) s'isch Zeit!
Möglicherweise werden unsere primitiven Tools des Personal Cloud Computing eines fernen Tages noch nostalgische Berühmtheit erlangen. Und zwar als die erste Phase in der Geschichte der computernden Menschheit in der NICHT 99% aller Daten durch Hardware-System-Wechsel, kaputte Backupmedien und ähnliches binnen zwei Jahren wieder verloren gegangen waren.
Wir produzieren wahrscheinlich gerade die erste, tiefste Schicht dessen was Archäologen der Zukunft als "frühe digitale Kulturschichten" bezeichnen werden. Quasi der Beginn der Bronzezeit in der Datenarchäologie.
Wie sich die Wolken ähneln! Aber keine zwei sind gleich
Michelle Lentz verwendet übrigens nicht notwendigerweise die gleichen Programme wie ich. Ihre eMails sind IMAP und auf Gmail, (meine auch) ihre Bilder auf flickr (da bin ich noch schlampig). Die DopBox haben wir gemeinsam, die entwickelt sich immer mehr zur Killer-Webapp, ich steck glaub ich wöchentlich eine Person damit an (wer noch keinen Account hat und mir und sich gerne gratis 250 MB extra bescheren möchte klickt bitte auf diesen Dropbox-Einladungslink).
Als Passwort Manager verwendet sie das OpenSource Programm KeePass und ich das kostenpflichtige 1Password, aber wir haben beide unsere Passwörter-Datenbank (wolkig aber verschlüsselt) auf der Dropbox, und während ich meine Lesezeichen Delicious anvertraue, macht sie ihre Firefox-Bookmarks mit Xmarks cloudwärts kompatibel.
Mein Cloud-Mac-Setup basiert sehr stark auf MobileMe von Apple, Michelle zeigt dass es auch ohne geht: Sie hat wie ich Mac und iPhone und verwendet Google Kalender und SpanningSync.
Ja und das mit den ToDos in Remember the milk das überlass ich immer noch anderen. Stattdessen warte ich sehnlichst, dass mein Lieblings-ToDoManager Things vielleicht auch in die Wolke zieht (hint! hint!) weil das synchronisieren über Wlan zwischen Laptop und iPhone ist so 2008!