Jetzt aber wirklich: Jolicloud im Test, Teil 1

Jul 1 2009

Jolicloud ist ein Netbook-Betriebssystem. Im Prinzip eine Variante von Linux mit dem der eigene Rechner "in der Internet-Wolke" arbeitet. Der Jolicloud-Server speichert Einstellungen und stellt in seiner Oberfläche Webapps und Linux-Tools zur Verfügung, Dateien können (soweit ich es verstanden habe) auf der lokalen Festplatte und in den jeweiligen Webapps gespeichert werden. Hat man mehrere Computer, kann man trotzdem auf allen die gleichen Programme, Einstellungen und (soweit in der Wolke gespeichert) auch die gleichen Daten sehen.

Soweit so gut und hier auch ein Link zur offiziellen Jolicloud-Tour.

Eigentlich ist das ja genau der Weg in die Wolken von dem ich träume, aber auf dem Weg dahin gab's dann doch ein wenig Blitz und Donner.

Wie kann man Jolicloud testen?

Jolicloud ist im Moment noch in einem Stadium in dem es der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Um einen Account zu bekommen kann man per E-mail eine Einladung anfordern. Danach bekommt man (vielleicht früher, vielleicht später) einen Invite-Code und lädt das Betriebssystem als Datei von Jolicloud herunter.
Anschliessend muss man es auf einem mindestens 1GB großen USB-Stick startfähig zum Laufen bringen. Wie das geht steht auf dieser Seite beschrieben. Tipp: unter Windows ist es am einfachsten, unter Linux und am Mac muss man in das Terminal-Programm.

Test me if you can!

Der eigentliche Test lief bisher noch nicht so toll. Ich konnte mir zwar einen Installations-USB-Stick machen, dann aber von selbigem nicht starten.

Immerhin hat mir der Jolicloud Support dann einen getweetet: "Macs werden nicht unterstützt". Ein Umstand der sich aus den Installationsanleitung nicht wirklich (think: explizit) herauslesen lässt, weil dort zuerst beschrieben wird, wie man sich seinen Jolicloud-USB-Stick mit Windows, Linux oder Apple erstellt, dann aber in weiterer Folge jede Erwähnung ob Mac oder nicht Mac fehlt.

Ich kann mir also mit einen Installer-USB-Stick mit meinem Mac machen, dann brauch ich aber einen PC um das Ding zu starten. Duh!

Wer's selber probieren will (und die Muße hat zuerst auf den Invite-Code zu warten) auf der Seite Supported Hardware gibt es eine Liste der mit Sicherheit unterstützen Netbooks (Der Eintrag "Intel" meint also nicht ganz allgemein den Prozessor, sondern ein spezielles Notebook, das war mein Gedankenfehler beim Lesen dieser Seite, ich dachte mein "Intel-inside"-MacBook Air wäre da mitgemeint.)

"Borgst Du mir mal dein Netbook?"

Auf geht's zum Lebensmensch, der auf einem Q10 Air Netbook von Gericom grad in Facebook herumhängt und nun ein wenig grummelig Leine ziehen muss, damit ich ans Testen gehen kann. Praktischerweise kann man Jolicloud auch direkt vom USB-Stick betreiben und muss es nicht auf der Festplatte installieren, für einen ersten Test sollte das reichen.

"Wie komm ich jetzt ins Internet?"

Das Q10 hat einen integrierten Handy-Chip und am Testort gibt es kein WLan also bin ich gleich mal gespannt wie Jolicloud seinen Weg ins Internet finden will. Der Chip ist nämlich standardmäßig ausgeschaltet (Stromverbrauch) und muss nach dem Start mit Windows erst über eine Tastenkombination eingeschaltet werden.

Jolicloud agiert souverän: Gleich nach dem Start vom USB-Stick fragt es mich nach dem Pin-Code des Chips, anschliessend nach meinem Invite-Code und schon bin ich eingeloggt.
Dann wird's noch mal kurz verwirrend: Jolicloud möchte von mir wissen mit welcher Type von Notebook ich mich einlogge, das Q10 Air ist aber nicht aufgeführt, ich komme aber nicht darum herum etwas aus der Liste auszuwählen und "anderes" ist nicht aufgeführt. Also nehme ich gleich das erste in der Liste. Gleich verkündet Jolicloud in meinem persönlichen Feed dass ich an Board bin und mit welchem Netbook ich da bin, eben mit dem falschen. Ich hab also grad unabsichtlich eine Statistik gefälscht! :)

Screenshot?

Nach dem ersten herum surfen mit Firefox und der Test-Installation von ein paar Programmen möchte ich meine ersten Schritte für die Nachwelt dokumentieren, allein: ich weiss leider nicht wie man auf dem Ding einen Screenshot macht :(
Mist! Keine Bilder und schon wieder eine Lernkurve in Sicht.
Ansonsten geht alles angenehm einfach, die Cloudapps lassen sich bereitwillig installieren, Daten in der Wolke (z.B. auf meinem Dropbox-Account) problemlos abspeichern.

Twitterfunktion ohne Tweets

Alleine die "Follow"-Funktion von Jolicloud finde ich verwirrend. Da kann man anderen Jolicloud-Nutzern (noch scheinen es weniger als 500 zu sein) folgen um z.B. zu sehen welche Applikationen sie nutzen. Der Newsfeed der anderen Nutzer schaut ein wenig aus wie ein Twitter-Feed, aber als ich versuche einem der testenden Kollegen eine Nachricht zu senden klicke ich vergeblich: Keine Reaktion. Folgen auf Jolicloud ist Einwegkommunikation.

Fazit: Jolicloud ein Sammelbecken für Cloudapps

Jolicloud ist erst am Anfang und ich bin es auch.
Trotzdem weiss ich jetzt schon, dass ich Jolicloud weiter testen werde und sei es nur darum, weil es gleich eine ganze Menge an Web- und Cloudapps mitbringt. D.h. ich spare mir mit Jolicloud einen Teil der Suche nach interessanten und funktionieren webbasierten Programmen für den Selbstversuch.

Bis sich so etwas wie Jolicloud abseits der Geek-Szene etabliert wird es aber wohl noch eine Weile dauern.

Seisdrum, ein Dell Mini Netbook ist schon bestellt (dass sind die die die Tussi von heute auch in rosa haben kann, ich bleib aber bei schwarz) und ein Jolicloud Testbericht Teil 2 folgt dann in ein, zwei Wochen.

Jetzt soll mal das Web für mich arbeiten

Über Twitter hab ich aber jemanden gefunden der es angeblich geschafft hat Jolicloud auf seinem Macbook auszuführen. Noch hat er mir nicht zurückgeschrieben, und wahrscheinlich ist die Lösung mit ein wenig mehr Command-line-interface-Magic verbunden als ich gemeinhin betreibe, aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

Vorher aber statte ich mozy, dropbox und evernote je einen Besuch ab, den Cloudapps, die mich bisher am treuesten begleitet haben.