Lange gab's nichts zu erzählen, inzwischen wurde ich gefragt einen Beitrag zu einer Web 2.0 Broschüre von digitalks beizusteuern. Nun, was soll ich sagen: ich war zu lang, viiiiel zu lang. :) Den gesamten Artikel gibt's hier in zwei Teilen, die Kurzfassung im Herbst in der Broschüre. Im ersten Teil geht es um die grundsätzliche Erklärung von Personal Cloud Computing und was man damit machen kann, im zweiten Teil stelle ich Services vor die mir nützlich erscheinen, und die - bei mir - die Verwendung über mehr als ein halbes Jahr erlebt haben.
Das WWW ist nicht mehr nur das Mitmach-Web, es wir zunehmend auch zum Arbeits- und Erledigungs-Web: immer mehr Tätigkeiten, für die man früher eine lokale Software gebraucht hätte, kann man inzwischen auch online erledigen.
Mit dem Internet-Explorer oder Firefox kann man über Personal Cloud Services elektronische Post bearbeiten, Texte schreiben, Bookmarks, Notizen und Daten sammeln, Präsentationen und Mindmaps erstellen, Bilder bearbeiten, Projekte planen, ein Backup seines Rechners machen und noch vieles mehr. All diesen Services gemeinsam ist eine Vision: das einzige Programm, dass der durchschnittliche Benutzer auf seinem Computer noch brauchen soll, ist der Web-Browser.
Das Wort Personal Cloud Computing ist angelehnt an den umfassenderen Begriff Cloud Computing. Darunter versteht man einen weltweiten IT-Trend, der es Firmen ermöglichen soll Computer-Infrastruktur und damit Geld einzusparen. Statt eigene Server zu verwenden, mieten sich immer mehr Unternehmen Serverplatz und Software „in der Wolke“ - im Internet. Neu ist, dass Cloud Computing auch für kleine Unternehmen und Anwendungen leistbar ist. Und da kommt das Personal Cloud Computing ins Spiel: quasi Cloud Computing ohne Einstiegshürde und für alle: Firmen und Private, Computerfreaks und Neulinge.
Ist Personal Cloud Computing Zukunftsmusik?
Viele Personal Cloud Applications stecken noch in den Kinderschuhen oder sind wie andere Web 2.0-Angebote ständig unfertig („in Beta“), manche duplizieren in ihrer Funktion ziemlich genau das, was Desktop-Software kann, die meisten versuchen aber z.B. sich mit Zusatz-Funktionen von herkömmlicher Software abzuheben. Ein umfassenderer Begriff für diese Art von Anwendungen ist „Software as a Service“. Wenn ich z.B. eine Textverarbeitung oder eine Datenbank brauche, dann miete ich mir eine online und brauche mir kein Office-Paket anzuschaffen. Das muss auch nicht immer was kosten, viele Services sind (noch?) umsonst, andere kommerzielle Angebote haben abgespeckte Gratis-Versionen, die Lust auf die kostenpflichtigen Versionen machen sollen.
Personal Cloud Computing ist ein relativ neuer Trend. Zwar gibt es bereits tausende an kleineren und größeren Programmen, aber noch weiß niemand ob die momentan existierenden Geschäftsmodelle im Bereich der Privatnutzer erfolgreich sein werden. Kann also sein, dass 90% aller heute angebotenen Services in zwei Jahren schon nicht mehr existieren werden, oder aber viermal so teuer oder auch achtmal so billig sein werden als heute.
Ein weiteres Problem ist bei vielen Services noch, wie man einmal dorthin gespeicherte Daten wieder herausbekommt, um z.B. von einem Service zu einem anderen – billigeren oder besseren – umzuziehen. Inzwischen sind aber viele Anbieter bemüht dieses Problem zu lösen, indem sie vermehrt Schnittstellen, sogenannte APIs zur Verfügung stellen.
Sind meine Daten in der Wolke eigentlich sicher?
Ja und Nein. Garantiert nicht sicherer als auf einem abgeschalteten Computer oder auf einer externen Festplatte unter dem Kopfpolster. Cloud Computing ist eine Vertrauensfrage. Viele Cloud Services bieten sichere und verschlüsselte Datenübertragung an, einige allerdings nur gegen Geld. Die Frage der Sicherheit ist auch immer eine Frage der persönlichen Risikoabwägung: Wer seine Kreditkartendaten nicht zum Online Einkauf verwendet, der sollte die Kartennummer vielleicht auch nicht in einer Textdatei auf der Festplatte speichern und dann in die Wolke sichern. Wer sein Geld mit dem Verkauf von Fotos verdient wird bezüglich seiner Bilddaten vermutlich vorsichtiger sein als ein Hobbyfotograf mit Flickr-Account.
Ganz generell gilt: Buchhaltungsdaten gehören sorgfältiger verwahrt als die Einladung zur Grillparty nächsten Freitag. Im Zweifelsfall haben hochsensible Daten wie Passwörter in der Wolke nichts verloren. Sehr oft aber ist der Benutzer selber das größere Risiko, wenn er oder sie z.B. als General-Passwort den Vornamen der Oma verwendet und – mit gutem Grund - schwerer zu merkende Bank-Codes auf dem Desktop in einer Datei mit dem Namen „bank.doc“ verwahrt.
Wann sollte ich ein Personal Cloud Service nutzen?
Dann – und nur dann – wenn es mir einen persönlichen Vorteil bringt. Tut es dass nicht, dann werde ich nach ein paar Stunden, Tagen oder Wochen ohnehin aufhören es zu nutzen. Mögliche Vorteile sind:
- Die Cloud Software kann was, was (m)eine Desktop-Software nicht kann
- Die Cloud Software ermöglicht mir an mehreren Computern ohne zusätzliches Speichermedium die gleichen Daten zu bearbeiten ohne dass einer dieser Computer eine spezielle Software installiert haben muss
- Die Cloud Software ist billiger und/oder bequemer als eine vergleichbare Desktop-Anwendung oder ein Stück Hardware.
- Die Cloud Software hat eine sehr flache und kurze Lernkurve, ihre Bedienung ist intuitiv und erklärt sich praktisch „von selbst“.
Muss ich mit anderen zusammenarbeiten, wenn ich Personal Cloud Services nutzen will?
Nein, das muss ich nicht. Tatsächlich bieten allerdings viele Services die Möglichkeit zur Online-Kollaboration an. Oft sind diese Features aber nur eine zusätzliche Funktion, manchmal auch ausschließlich gegen Bezahlung verfügbar. Viele abgespeckte Versionen von Cloud Programmen bieten gar keine Kollaborations-Tools an und eignen sich hervorragend für EinzelkämpferInnen.
Was kostet Personal Cloud Computing?
Je nach Serviceumfang und Zielgruppe von gar nichts über einige Euro bis zu mehreren hundert Euro monatlich. Gerade im Bereich von Business Software mit einem hohen Anspruch an Kollaboration und komplexen Funktionen kann es auch teuer werden. Der Zugang für eine Person sind aber meistens im niedrigen zweistelligen Eurobereich angesiedelt was natürlich bei der Nutzung mehrere Dienste auch rasch einmal ins Geld gehen kann.
Im zweiten Teil: populäre, nützliche und auch originelle Cloud Services.
Backup
Hallo,
Da ich auch schon lange versuche immer mehr Cloud Services zu nutzen habe ich Deine Beiträge mit Interesse gelesen.
Was mir bei dem ganzen Cloud Services aber zu kurz kommt ist die Verfügbarkeit meiner Daten im Falle eines Pleite gehens der Anbieter, Technischen Pannen, Willkür. Bsp. dafür sind ma.gnolia (http://www.wired.com/epicenter/2009/01/magnolia-suffer/) oder http://www.chrisbrogan.com/when-google-owns-you/.
ma.gnolia hat mich Anfang des Jahres alle meine Bookmarks gekostet. Das macht einen dann vorsichtig.
Für mich läuft es darauf hinaus das man so oder so für ein eigenes dediziertes Backup auserhalb der Cloud sorgen muss. Und dann ist eine externe 2,5" HD mit Time Machine am Mac momentan immer noch die einfachere Lösung als alle Cloud Dienste auf einen anderen (lokalen) Rechner zu syncen/backupen.
Just my 2 cent,
bye Alexander