Am Ende eines Festplattenlebens...

Jun 24 2009

...steht häufig der Festplattencrash. Und selbst wenn das Backup geklappt hat und die Platte geklont ist: einen Computer neu aufzusetzen ist kein Spaziergang im Park. Aber für mich wurde das Neuaufsetzen auf einmal zu einem Spaziergang zwischen Wolken...

Zuerst ging auf einmal buchstäblich das Licht aus. Der Computer tut's nicht mehr. Starten tut er nicht, die Festplatte kennt er nicht, mausetot isser. Gestern ging er doch noch, aber leider ist gestern eben nicht mehr heute.

To backup or not to be...

...oder wehe dem, der nun keine Datensicherung hat. Mehr als einmal im Monat werde ich als digital life coach angerufen wenn sowas jemand anderem passiert. Es ist der zweithäufigste Grund mich zu kontaktieren. Der häufigste ist ein gestohlenes oder kaputtes Handy (Stichwort: alle Kontakte weg).

Die Moral von diesem Blogpost ist zum Glück nicht, dass diesmal meine Daten dran waren. Apples "Time Machine" hat mich vor einem größeren Datengau bewahrt. So weit so gut, bleibt aber immer noch die Arbeit den Laptop in die Reparatur zu tragen (erfolgt), zu hoffen dass man noch Garantie hat (knapp), dass er überhaupt zu reparieren ist (ja) und dann muss man ihn erst wieder neu aufsetzen, weil man ja dem klonen - nicht nur bei den Rindsschnitzerln - nicht so zu vertrauen scheint, neuerdings.

Ein paar Tage später kommt dann also der Laptop mit einer neuen Festplatte aus der Reparatur....

...und ohne es zu bemerken, bin ich umgezogen

Erst jetzt fällt mir auf, dass ich in den Tagen ohne eigenen Laptop (aber mit Zugang zu einem iMac auf der Uni wo ich unterrichte) trotzdem ziemlich normal weitergearbeitet habe. Mein erster Weg nach dem Installieren führt mich nicht wie früher zu meiner Backup-Platte, sondern online, wo ich

  • weiter an meinen CMS-basierten Webprojekten arbeite
  • E-Mails, Kalenderdaten und Kontakte aus der mobileme-Webwolke ziehe,
  • Meine wichtigsten Arbeitsdokumente über Dropbox wieder auf den Rechner hole,
  • Das 1Password File mit meinen 250 Web-Passwörtern über die Dropbox auf meinen neuen Rechner synchronisiere,
  • alle meine FTP-Passwörter über Cyberduck von meiner iDisk herunterlade,
  • Freunde und Bekannte über Facebook und Twitter davon in Kenntniss setzte, dass ich wieder mobil computen kann,
  • Meine Projektliste und Zeitabrechnung auf Dabbledb weiterführe,
  • Weblinks mit Delicious und Notizen mit Evernote synchronisiere.

So war das eigentlich gar nicht geplant. Noch vor einem Jahr hätte das weder problemlos funktioniert, noch gab es diese Vielzahl an cloudbasierter Software-Services, von denen ich immerhin schon ein halbes Duzend regelmäßig zu nutzen scheine. Ganz unbemerkt habe ich meine Daten in die Webwolke getragen...

...aber ganz online geht es dann eben doch nicht

Am zweiten Tag tauchen dann aber doch ein paar Jobs auf, die für mich (noch?) nicht mit Cloud-Software zu bewältigen sind:

  • Die Liebe zum mindmappen gepaart mit einer substantiellen finanziellen Investition in das Programm Mindjet Mindmanager verhindert eine tiefere Beschäftigung mit Online Mindmap-Plattformen wie z.B. Mindmeister.
  • Nachdem ich noch nicht mal Keynote wirklich beherrsche (obwohl es MS Powerpoint doch haushoch überlegen ist :)), hab ich mich noch nicht sehr weit an das Online-Präsentationstool Prezi herangewagt.
  • Online-Bildbearbeitungprogramme hab ich als Photoshop-Nutzerin der ersten Stunde bisher auch noch nicht wirklich notwendig gefunden. Ausserdem basieren diese Programme so weit ich sie kenne alle auf Flash und sind damit für viele meiner Kunden, die hinter amtlichen Firewalls leben, nicht nutzbar.
  • Und Print-Layouts ohne X-Press oder InDesign zu erstellen klappt glaub ich auch noch nicht so toll.
  • Sind meine Bilder und meine Musik online? Ja ein bisschen, würde ich sagen.
  • Und Remember the Milk, Online-ToDo-Manager und eines der Flaggschiffe der Cloudapps-Welt will ich schon gar nicht nutzen. ToDos sind mir scheinbar dann doch zu intim für die Wolke.

Mir scheint ich sitz allein auf meiner Wolke!

Bei einer näheren Analyse meiner Nutzungsgewohnheiten komme ich außerdem dahinter, dass es auf meiner Wolke richtig unkollaborativ zugeht. Meine Cloudservices bleiben ganz deutlich zwischen mir und mir.

Ein kurzer Gegencheck mit dem Nutzungsverhalten meiner Kunden lässt mich darüberhinaus vermuten, dass ich damit nicht alleine bin und dass "sharen" und "kollaborieren" jenseits von Facebook und abseits der Lolcat, Failblog- und anderer Geek-Szenen, noch ein Minderheitenprogramm ist.

Ob das so bleiben wird weiss ich noch nicht, im Moment kenn ich noch nicht so viele Leute die mit mir online kollaborativ arbeiten wollen, die wiki-nutzenden Webfräuleins beim girlgeekdinnervienna mal ausgenommen.

Ich fasse einen Plan

Wie weit könnte ich damit aber gehen? Mal rein theoretisch? Kann ich alle meine Daten online schaufeln? Dank Mozy jedenfalls mal als Backup. Könnt ich all meine Software online nutzen? Will ich all meine Software online nutzen? Was geht sicher nicht (Beispiel: Layout)? Was ist zu mühsam? Welche Cloudapps bieten ganz neue Möglichkeiten, die ich offline so noch nicht gesehen habe?

Gerade jetzt, heute, 2009 ist meiner Meinung nach ein gutes Jahr um diese Fragen zu beantworten. Das iPhone hat in den letzten beiden Jahren browserbasierte Webapps überhaupt erst bekannt gemacht. Der damit ausgelösten Hype wurde dann aber mit der Einführung der "echten" iPhone-Programme im AppStore wieder gedämpft. Auf der anderen Seite erblicken fast jeden Tag neue browserbasierte Applikationen das Licht des Web. Diese Form des "personal cloud computing" is definitiv here to stay.

Viele der Applikationen werden kommen und gehen, auch "die Besten" werden nicht notwendigerweise überleben - oder kann sich heute noch irgendwer an "I want Sandy" erinnern - aber wer weiss was da noch alles kommen wird. Ich bin jedenfalls gespannt.

Habe ich Sicherheitsbedenken?

Ja, hab ich. Trotzdem möchte ich mal schauen wie weit ich das mit der Wolke treiben kann. Ohne die Datensicherheit und Gefahren darob ausklammern zu wollen: mein Feldversuch wird wohl eher mal zuviel Daten preisgeben als zu wenig. Lessons learned entstehen eher an den Rändern des bekannten Wissens als in der Mitte. Let's call me Web Test Dummy...

Klar, mit Sozialversicherungsnummer und Bankdaten werd ich jetzt nicht grad um mich schmeißen (Paypal weiss aber eh schon fast alles über mich :)). Noch viel weniger offenherzig werde ich mit vertraulichen Kundendaten umgehen können. Zum Glück sind die meisten Daten, die ich von Kunden bekomme entweder ihre eigenen persönlichen (die wandern höchstens in ihre Wolke, aber sicher nicht in meine) oder aber nicht vertraulich, weil sie ohnehin publiziert gehören.

Also Halali, auf zum fröhlichen Cloudapp jagen!

und wo ist diesesmal dein

und wo ist diesesmal dein backup, wenn was schiefgeht?

a, b, c

a) find ich mutig. ich hätte bei manchem ein schwer zu definierendes unwohlsein im bauch. liegt vermutlich - siehe adams - daran, dass ich über 35 bin ;)
aber vielleicht legt sich dieses bauchgefühl wieder. ich geb ja jetzt auch schon mehr daten etc. preis, als ich vor 5 jahren für möglich gehalten hätte...

b) mich würd interessieren, wie / ob sich der allgemeine kollaborations-wille durch google-wave verändern wird...

c) hübsch hier

alles liebe, test dummy!
n.

Vielleicht...

...stellt sich das mit dem Unwohlsein noch ein bei mir?

Wenn ich mir www.dubistterrorist.de einmal zu oft ansehe, dann schrei ich am Schluss vielleicht noch selbst nach der Schiefertafel?

Who knows :)